Wenn „alle“ nicht alle sind, beginnt Stigmatisierung

Martin Habersaat: Alle dürfen zuhause bleiben, aber die Schülerinnen und Schüler an den Förderzentren des Landes nicht. Die müssen wieder einmal sehen, dass ihre Freunde und Geschwister anders behandelt werden. So geht Stigmatisierung.


Mit der Verlängerung der Weihnachtsferien nicht für alle Schülerinnen und Schüler beweist die Bildungsministerin einmal mehr, dass sie Inklusion nicht verstanden hat. Dazu sagt Martin Habersaat, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

„Den 7. und den 8. Januar 2021 hat Bildungsministerin Prien zu Distanzlern-Übungstagen erklärt. Sie sollen auch dazu dienen, nach den Silvesterfeierlichkeiten zu Hause abklingen zu können und das Infektionsrisiko an den Schulen zu vermeiden. Keinesfalls sollen sie als Aufruf zu Silvesterfeierlichkeiten verstanden werden. Was nicht geht, sind die Vorstellungen der Ministerin von „allen Schülerinnen und Schülern“. So teilt Frau Prien mit, „der Schulbeginn im Präsenzunterricht startet für alle Schülerinnen und Schüler am 11. Januar 2021“. Wer sich aber die Punkte ihrer Pressemitteilung im Einzelnen betrachtet, findet auch den Satz: „Für die Schülerinnen und Schüler der Förderzentren findet der Präsenzunterricht nach Plan statt.“ Alle dürfen zuhause bleiben, aber die Schülerinnen und Schüler an den Förderzentren des Landes nicht. Die müssen wieder einmal sehen, dass ihre Freunde und Geschwister anders behandelt werden. So geht Stigmatisierung. Wichtige Nachricht an Frau Prien: Auch Schülerinnen und Schüler an Förderzentren machen zwischen den Jahren Familienbesuche. Auch für sie findet Silvester statt. Und auch die Lehrerinnen und Lehrer an den Förderzentren müssen ohne Extra-Zeit für die Verbesserung ihrer Digitalkonzepte klarkommen. Warum? Und warum haben diese Lehrkräfte noch nicht alle, trotz ihrer Arbeit mit einer vulnerablen Bezugsgruppe, eine FFP-2-Maske erhalten? Einmal mehr müssen wir sehen, dass Jamaika die Inklusion nicht verstanden hat oder nicht verstehen will. Es geht um das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe in einer Gesellschaft ohne Diskriminierung.“

Martin Habersaat